Beschreibung

Der Leistenbruch, auch Hernie genannt, beschreibt den Durchtritt von Teilen eines Bauchorgans durch den Leistenspalt, eine kleine, von Sehnen umgebene Öffnung am unteren Rand der Bauchmuskulatur.

Dringlichkeit

Dringlichkeitsstufe 3

Gefährlichkeit

Gefährlichkeitsstufe 4

Verlauf

Meist erscheint eine umschriebene Beule im Leistenspalt. Bei Betastung fühlt sie sich weich und der Inhalt beweglich an. Oft lässt sich der Inhalt auch unter der Haut verschieben. Eine geübte Hand kann dabei möglicherweise Teile des vorgefallenen Organs – in den meisten Fällen ein Stück des Darms oder der Blase – ausmachen. Die Beule kann sich vermehrt warm anfühlen. Besonders häufig tritt ein Leistenbruch bei jüngeren Tieren auf und häufiger bei Hündinnen als bei Rüden. Der gleiche Organvorfall kann übrigens auch durch den Bauchnabelbruch entstehen. Meist befindet sich im Zentrum der Bauchmittellinie eine kleine weiche Beule. Als Folge eines Leistenbruches entstehen vielfach keine Krankheitssymptome. Es kann aber sein, dass ein Stück Darm in der Bruchpforte abgeschnürt wird. In dem Falle kommt es zu Störungen des Allgemeinbefindens, Appetitlosigkeit und auch zu Schmerzäußerungen. Es handelt sich dann um einen klinischen Notfall, der schnellst möglich zu behandeln ist.

Ursache

Der Leistenspalt kann (genetisch bedingt) zu weit sein und so einen Bruch begünstigen. Leistenbrüche können auch als Folge von stumpfen Traumata (Stösse, Schläge) bei Unfällen auftreten.

Therapie

Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad des Vorfalls. In den meisten Fällen wird mit einer kleinen Operation das vorgefallene Organ zurück in die Bauchhöhle verlagert und der Leistenspalt mit einer Naht verschlossen. Bestehen hingegen Krankheitssymptome, muss schnell gehandelt werden. Ansonsten besteht Gefahr, dass der eingeklemmte Darm abstirbt. Dann droht Lebensgefahr!

Notfallmaßnahmen

Größere Leistenbrüche treten häufiger in Zusammenhang mit stumpfen Traumata auf (z.B. nach Unfällen oder Beißereien). In derartigen Fällen sollte immer eine zeitnahe klinische Untersuchung durch einen Tierarzt erfolgen, um das Ausmaß der Verletzungen zu ermessen und ggf erforderliche Behandlungen einzuleiten. Angeborene oder spontane Leistenbrüche sind in vielen Fällen kleiner (nicht größer als eine Olive) und/oder vergrößern sich nur langsam im Verlauf eines längeren Zeitraumes (Wochen oder Monate). Letztere stellen daher nicht zwangsläufig einen klinischen Notfall dar und können bei nächster Gelegenheit im Zuge eines Termins durch Ihren behandelnden Tierarzt untersucht werden. Die Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass ihr Tier ansonsten ein gutes Allgemeinbefinden zeigt, und die Schwellung im Leistenbereich keine Rötung, Schmerzen oder sonstige sinnfällige Veränderungen aufweist. Im Zweifelsfall ist es allerdings immer am sichersten, einen Tierarzt aufzusuchen, und ihn/sie diese Entscheidung treffen zu lassen.