Beschreibung

Unter dem brachyzephalen (Atemwegs-) Syndrom werden Atemwegsprobleme zusammengefasst, die anatomischen Ursprungs sind. Betroffen sind kurznasige Hunderassen.

Dringlichkeit

Dringlichkeitsstufe 3

Gefährlichkeit

Gefährlichkeitsstufe 3

Verlauf

Die beschrieben in den Ursachen beschriebenen Missbildungen eines brachyzephalen Syndroms behindern den Luftstrom in den oberen Atemwegen. Die dadurch verursachten Symptome sind laute Atemgeräusche, angestrengte Einatmung, eine Blaufärbung der Schleimhäute (durch fehlenden Sauerstoff im Blut) und in schweren Fällen Bewusstlosigkeit. Die meisten Tiere Schnarchen ständig, ob beim Spazierengehen oder zuhause auf dem Sofa. Das von Ihren Besitzern oft als lustig oder gar beruhigend empfundene Atemgeräusch bedeutet allerdings für das Tier, dass es bei jedem Atemzug gegen einen Widerstand atmen muss. Diese erhöhte Atemarbeit verursacht eine Steigerung der Körpertemperatur, was wiederum hat einen erhöhten Sauerstoff-Verbrauch zur Folge. Das Tier kompensiert diesen wieder mit „mehr Atmen“, ein Teufelskreis entsteht. Zusätzlich reagieren das Maul und den Kehlkopfbereich auskleidende Gewebe auf die angestrengte Atmung mit Schwellung und/ oder Entzündung und verengen die Stimmritze (engste Stelle im Kehlkopf) zusätzlich. Langfristig führen auch geringe Beeinträchtigungen der Atmung meist zu chronischen Lungen- und Herzerkrankungen. Bei Anstrengung, Aufregung und bei hohen Außentemperaturen wird die Symptomatik verschlimmert. Der Mops leidet zudem oft an einer zu weichen Struktur der Knorpel, die die Stimmritze offen halten sollen. Durch den Verlust der Stabilität können sie selbst die Stimmritze verengen oder sie sind nicht mehr in der Lage, umliegendes Gewebe an einem Eindringen in den Kehlkopfbereich zu hindern. Bei vielen Tieren treten auch Veränderungen im Magen-Darm-Trakt auf. Entzündungen der Speiseröhre entstehen durch unvollständiges Schließen des Ringmuskels am Mageneingang, Sodbrennen ist die Folge. Bei den beschriebenen Hunderassen liegen zusätzlich Veranlagungen für die Entwicklung eines Wasserkopfes, einer Nasenfaltenentzündungen, einer Hautfaltenentzündungen, Zahnfehlstellungen und einem angeborenen Herzfehler (Fallotscher Tetralogie) vor.

Ursache

Zu den kurznasigen Hunderassen gehören unter anderem der Mops, die französische und englische Bulldogge, der Shih Tzu, der Chihuahua, der Pekinese, der Malteser und der Boxer. Aufgrund ihrer kurzen Nase, dem breiten Gesichtsschädel und den großen Augen, erfreuen sich die Hunde großer Beliebtheit und sind entsprechend weit verbreitet. Das brachyzephale Syndrom ist die Folge der Zucht, hin zu immer stärkeren Verkürzungen des Schädels (insbesondere der Nase). Als Folge einer gestörten Entwicklung des Gesichtsschädels kommt es zu zahlreichen anatomischen Besonderheiten. Beim Mops, der Französischen und Englischen Bulldogge hat die zuchtbedingte Verkürzung des Gesichtsschädels zu einer Reihe von strukturellen Fehlbildungen geführt, erhebliche Störungen lebenswichtiger Funktionen sind die Folge. Diese Missbildungen umfassen verengte Nasenlöcher und Nasengänge, eine Verlängerung und Verdickung des weichen Gaumens, erweiterte Kehlkopftaschen, Kehlkopfkollaps (starke Formveränderung der Kehlkopfknorpel), vergrößerte Mandeln und bei englischen Bulldoggen auch eine zu weiche Luftröhre. Die Schwere dieser Missbildungen ist variabel. Diese Fehlentwicklung wird jedoch von den Züchtern dieser Rassen als Rassemerkmal bewusst weiter erhalten, zahlreiche Züchter scheinen mittlerweile den vollständig nasenlosen Mops bzw. die nasenlose Bulldogge züchten zu wollen, dadurch leiden immer mehr Tiere an schweren Beeinträchtigungen der Atmung.

Therapie

Eine Therapie sollte darauf ausgerichtet sein, die Verengung der oberen Atemwege zu beheben und alle Faktoren zu bekämpfen, die die Symptome verstärken können, wie beispielsweise Anstrengung, Aufregung oder Hitzestau. Die Therapie der Wahl ist die chirurgische Korrektur der jeweils bestehenden anatomischen Veränderungen. Das chirurgische Vorgehen ist abhängig von der Art der Missbildungen. So können z.B. die verengten Nasenlöcher erweitert und das zu lange Gaumensegel gekürzt werden. Dies sind meist die ersten Maßnahmen, die bei vielen Tieren bereits zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität führen. Die Korrektur der Nasenlöcher kann und sollte so früh wie möglich erfolgen (wenige Lebensmonate), wodurch sich die Folgeerscheinungen deutlich verringert. Bei Hunden, die einen Kollaps des Schlundes erleiden, müssen mehrere Korrekturen vorgenommen werden. Eine Plastik der Nasenflügel, die Resektion (Verkürzung) des Gaumensegels und der erweiterten Kehlkopftaschen, sowie gegebenenfalls der Mandeln können nötig sein. In einigen Kliniken werden seit kurzem die bestehenden Missbildungen an Nasenlöchern, Gaumensegel, Kehlkopftaschen, Polypen und Mandeln nach computertomographisch-gestützter Analyse mithilfe eines Diodenlasers behandelt. Eine Narkose stellt für brachyzephale Tiere eine besondere Belastung dar, sie haben ein vergleichbar hohes Narkoserisiko. Auch bei Tieren, die in ihrem normalen Alltag gut zurechtkommen, kann die Narkose zu einer ernsten Gefahr werden, gleichwohl der chirurgische Eingriff oftmals ein Routineeingriff ist. Die Prognose richtet sich im Einzelfall nach der Schwere der Missbildungen und nach der Möglichkeit, diese zu korrigieren. Je früher eine Korrektur vorgenommen wird, desto günstiger wird die Prognose. Ein Kehlkopfkollaps hat im Allgemeinen eine schlechtere Prognose. Eine zu weiche Luftröhre ist nicht operabel. Können keine chirurgischen Maßnahmen ergriffen werden, wird sich die Situation für das Tier im Laufe der Zeit verschlechtern, Folgeerkrankungen sind dann sehr wahrscheinlich. Auch wenn einige Züchter mittlerweile versuchen, Möpse mit längeren Nasen zu züchten, können dadurch all die anderen Probleme nicht gelöst werden. Der Hund bekommt dann durch die Nase eventuell besser Luft, sein Kehlkopf ist aber trotzdem zu w

Notfallmaßnahmen

Zeigt Ihr Tier Atemnot (Zunge wird evtl. blau), vermeiden Sie jeglichen Stress. Ein Besuch beim Tierarzt oder schon die Autofahrt dorthin kann sehr stressig für das Tier sein, ist aber in dieser Situation nicht zu umgehen. Bitte bewahren Sie die Ruhe, denn hektische Handlungen in einer solchen Situation können sich auf die Tiere übertragen und zu einer Verschlechterung der Situation führen. Im Sommer ist es hilfreich, den Hund mit feuchten Handtüchern zu bedecken. Dabei müssen die Ballen frei bleiben. Soweit es möglich ist, sollte die Temperatur zu Hause oder im Auto verringert werden. Regelmäßige Zahnsteinentfernung ist bei betroffenen Hunden nötig. Durch die Kieferfehlstellung bleibt die natürliche Entfernung der Beläge beim Kauen aus.